Moritzbastei in Leipzig
Am 3. Juni 2008 wurde bekannt, dass die kulturhistorisch und stadtgeschichtlich wertvolle Bausubstanz der Moritzbastei vor dem weiteren Verfall bewahrt werden muss und demzufolge Sanierungsarbeiten unternommen werden müssen. Die voraussichtlichen Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich den Angaben nach auf 1,35 Millionen Euro, der Förderbetrag liege bei 1,15 Millionen Euro mit einem städtischen Eigenanteil von 229 000 Euro.
Die Universität Leipzig ist gleichzeitig der Stifter und die Stiftung Moritzbastei: sie dient der Erhaltung des kulturellen Lebens und des Baudenkmals. Die Stiftung trage 15 Prozent der Kosten, der städtische Anteil werde zur Hälfte von der Universität Leipzig ersetzt. Die Stiftung ist Eigentümer bis Ende 2027. Danach fällt das Grundstück und Bauwerk an die Stadt zurück.
Die Moritzbastei wurde als Bastion unter der Leitung von Hieronymus Lotter in den Jahren 1551–54 nach Zerstörung des Vorgängerbaus im Schmalkaldischen Krieg errichtet und nach dem Kurfürsten Moritz von Sachsen benannt.
Dass die Moritzbastei die Zeiten überstand, ist eher ein Glücksfall. Selbst im 30jährigen Krieg – zwischen 1631 und 1642 – hat sie am Ende nicht wirklich geholfen, das Ärgste abzuwenden. Als Bollwerk überstand sie zwar die Belagerungen. Aber wechselnde Besatzer erzwangen sich trotzdem immer wieder Zutritt zur Stadt. Im siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) spielte sie schon gar keine Rolle mehr. Schon im ersten Kriegsjahr besetzten die Preußen die Stadt und machten Leipzig für die nächsten Jahre zu ihrer Geldmaschine.
Nun wurden ab 1770 die alten Mauern und Wehranlagen der Stadt abgetragen. Dort, wo vorher die Stadtgräben waren, umgibt heute das Promenadengrün die Innenstadt. 1766 entstand auf der nicht mehr genutzten Rannischen Bastei das Alte Theater, ab 1796 auf der Moritzbastei die 1. Bürgerschule der Stadt, die bis zur Bombardierung 1943 dort stand. Während der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) wurden in der Schule verwundete russische Soldaten untergebracht.
Die alten Gewölbe wurden immer wieder gewerblich genutzt und erst nach dem 2. Weltkrieg mit jenem Schutt verfüllt, den die Studenten ab 1972 aus der Tiefe karrten. Im Jahr 1974 wurde die Moritzbastei an die Studenten der Karl-Marx-Universität (heute Universität Leipzig) übergeben. In 150.000 unbezahlten Arbeitsstunden wurden rund 40.000 Kubikmeter Schutt entfernt. 30.000 Studenten arbeiteten während der Bauphase an der Moritzbastei, darunter auch die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Im Zuge der Hochschulreform in Sachsen 1992 wurde die Moritzbastei aus der Universität Leipzig ausgegliedert und gehört seitdem nicht mehr zu den Leipziger Clubs, die von Studenten betrieben oder vom Studentenwerk unterhalten werden. Die Herrichtung als größter Studentenklub der damaligen DDR ist mittlerweile Legende. Heute muss die Einrichtung – wie alle anderen – ihren Weg finden zwischen ansprechendem Kulturangebot und Betriebswirtschaft.
Moritzbastei
Universitätsstraße 9
04109 Leipzig
Telefon: 03 41/70 25 90 , 03 41/7 02 59 25
Fax: 03 41/7 02 59 59
